«Cloud Atlas» – der Film

Am 15. November kommt die Verfilmung von David Mitchells Roman «Der Wolkenatlas» in die Kinos. Die Kino-Visionäre Tom Tykwer («Lola rennt», «Das Parfum») und Lana und Andy Wachowski («Matrix») konnten hierfür nicht nur Hollywood-Stars wie Tom Hanks, Halle Barry und Hugh Grant gewinnen, sondern auch den Autor selbst. David Mitchell hat einen Cameo im Film – zu sehen auch im Trailer. Finden Sie ihn?

CLOUD ATLAS Trailer 2 HD (German | Deutsch) from X Verleih on Vimeo.

David Mitchell auf dem Harbour Front Literaturfestival in Hamburg

David Mitchell kam am 13. September nach Hamburg, um auf dem Harbour Front Festival aus seinem neuen Buch «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet» zu lesen. Wir waren natürlich auch da und haben es uns nicht nehmen lassen, dem sympathischen Engländer vor seiner Lesung ein paar Fragen zu stellen – und ihn drei Bücher signieren zu lassen, die wir hier verlost haben. Die Akustik des Videos lässt qualitativ leider  zu wünschen übrig, weshalb wir das Interview transkribiert und übersetzt haben.

Lesen Sie unten wie David Mitchell zu der Verfilmung seines Romans «Wolkenatlas» steht und wie es sich anfühlte, nicht nur als Autor der Buchvorlage, sondern auch als Schauspieler am Film mit zu wirken.

Rowohlt: Herr Mitchell, der Film von Lana Wachowski, Tom Tykwer und Larry Wachowski basiert auf Ihrem Buch «Wolkenatlas». Wie war es, am Skript des Films mitzuwirken und selbst als Schauspieler vor der Kamera zu stehen?

Mitchell: Der Film ist wunderbar geworden, ich bin wirklich glücklich darüber. Es ist wirklich eine wunderbare Sache. Einige Dinge im Film unterscheiden sich natürlich vom Buch, aber wir haben versucht, das immer auf eine logische Art und Weise geschehen zu lassen. Mich selbst in dem Film zu sehen, ist wie ein Traum, etwas seltsam, aber auch cool. Davon kann ich dann später meinen Enkelkindern erzählen: «Guckt mal, das bin ich.» (lacht)

Rowohlt: Da gab es doch diese Sache mit dem Telefon. In einem Artikel im aktuellen New Yorker zu der Verfilmung von «Wolkenatlas» ist von einem Telefon die Rede, das Sie in Ihrem Buch sehr detailliert beschreiben, das sich aber leider so in der «realen Welt» nur schwer umsetzen ließ.

Mitchell: Ja, richtig … Wenn ich schreibe, kümmere ich mich nicht großartig um die Realität. Ich kann einfach aus meinen Eindrücken und Gedanken heraus etwas beschreiben. Das ist wirklich toll. Ich muss nicht darauf achten, ob es tatsächlich in der Realität funktionieren würde. Aber beim Film kann man nicht einfach nur von der Vorstellungskraft leben, deswegen mussten wir einen Weg finden, von mir im Buch erschaffene Gegenstände filmtauglich zu machen. Dieses futuristische Telefon ist ein gutes Beispiel.

Rowohlt: Sie leben in einem kleinen Dorf in Irland – helfen Ihnen die Isolation und die Einsamkeit beim Schreiben?

Mitchell: Ich glaube, ich kann in jeder Umgebung ein Buch schreiben, hauptsache ich befinde mich nicht direkt mitten in einem Nachtclub. Aber etwas einsamer zu leben hilft mir schon. Ich bin ein Landjunge. Ich liebe es, die Haustür zu öffnen und einfach einen schönen Spaziergang zu machen, ohne vorher mit dem Auto in die Natur rausfahren zu müssen. Das beruhigt und entspannt mich.

Rowohlt: Was hoffen Sie, nehmen die Leser aus «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“»mit?

Mitchell: Ich wünsche mir, dass sie einfach eine gute Zeit haben. Es ist ein sehr langes Buch mit einer Menge Inhalt und sehr komplexen Charakteren. Ich wollte einfach eine andere Welt erschaffen, in die man von Zeit zu Zeit hineinschlüpfen kann. Ich hoffe meine Leser können diese andere Welt genießen und manchmal so darin versinken, dass sie die wahre Welt für einen Augenblick vergessen. Das wäre großartig.

Rowohlt: Ihr Buch beinhaltet sehr viele wunderschöne Sätze, an die man sich lange, nachdem man das Buch gelesen hat, erinnert. Erinnern Sie sich an einzelne Sätze aus Büchern anderer Autoren, die sie so schön fanden, dass sie Sie noch Jahre später nicht verlassen haben?

Mitchell: Ich erinnere mich nicht so sehr an bestimmte Sätze, mir bleiben eher ganz besondere Einzelheiten in Erinnerung. Dinge, die auch im wahren Leben passieren und die ich selber kenne und erlebt habe – und die mich deshalb an die Passage immer wieder erinnern. In einem Buch zum Beispiel bereitet eine Mutter das Abendessen vor und als sie dann ganz laut «Essen ist fertig!» ruft und auch nach fünfzehn Minuten noch keiner der Familie am Tisch ist, wird sie wirklich böse. Und so ist es bei uns zu Hause manchmal auch. (lacht) An solche kleinen Beobachtungen des Lebens erinnere ich immer gut, denn die geschehen auch mir in der Wirklichkeit.

Rowohlt: Lieber Herr Mitchell, vielen Dank für dieses Interview.