Der Phoebus/Phaeton Vorfall

Die Bedrohung Dejimas durch die HMS Phoebus im 28. Kapitel des Romans orientiert sich stark an der tatsächlichen Auseinandersetzung mit dem englischen Schiff HMS Phaeton im Oktober 1808. Der kommandierende Offizier der Phaeton war Captain Fleetwood Pellew. Faktor (Opperhoofd) Hendrik Doeff, der auf Grund der politischen Lage in Europa 14 Jahre lang diesen Posten innehielt, hat die Situation durch seine Standhaftigkeit und Besonnenheit entschärfen können.  Doch auch in Wirklichkeit hatte das Bubenstück des englischen Kapitäns Konsequenzen tragischer Natur: Der, für die Verteidigung Nagasakis zuständige Magistrat Matsudaira, verübte den rituellen Selbstmord seppuku.

Nachlesen kann man das in den Erinnerungen Hendrik Doeffs, die er 1833 in Haarlem veröffentlichte. Dieser Augenzeugenbericht über die Situation auf Dejima wurde von Annick M. Doeff 2003 ins Englische übersetzt.

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Die V.O.C.

Die Vereinigte Ostindische Kompagnie (Vereenigde Oostindische Compagnie, V.O.C.) schloss sich 1602 aus den Handelsgesellschaften der niederländischen Provinzen zusammen und war im 17. und 18. Jahrhundert das größte Handelsunternehmen der Welt. Die älteste bekannte Aktie ist ein Anteilsschein der V.O.C. aus dem Jahre 1606.

Die V.O.C. ließ zwischen 1602 und 1795 1.450 Schiffe bauen und für den Handel ausrichten. Mit außerordentlicher Härte baute die V.O.C. ihren Machtbereich aus und strebte ein Gewürzmonopol an. Das gelang 1622 für Muskat und rund vierzig Jahre später für Gewürznelken. Im Pfefferhandel konnte sie eine bedeutende aber nicht marktbeherrschende Stellung erreichen. 1750 standen 35.000 Angestellte im Dienst der V.O.C, die sich für drei oder, wie Jacob de Zout, für fünf Jahre verpflichtet hatten. Die meisten davon waren Soldaten aber auch Kaufleute, Chirurgen und Ingenieure.

Nach 1680 begann sich die Situation der V.O.C. zu verschlechtern. Die Pfefferpreise sanken, die Kosten des Verwaltungsapparats stiegen und die allgemeine Korruption in den eigenen Reihen tat ein Übriges.

1799 schließlich, ging das hochverschuldete Unternehmen samt seiner Besitzungen in das Eigentum, der mit Hilfe der französischen Revolutionstruppen gegründeten, Batavischen Republik über und wurde am 31.12.1799 offiziell aufgelöst.

Handelsgüter auf Dejima

Zu den beliebtesten Handelsgütern der Holländer auf Dejima gehörten:

  • Chinesische Rohseide
  • Holländische Stoffe
  • Zucker (die japanische Bezeichnung war „Deshima shiro“ also „Dejima Weiss“)
  • Sandelholz
  • Gewürze
  • Kaffee
  • Glaswaren, deren Herstellung in Japan unbekannt war
  • Seife (als Luxusprodukt kaum im alltäglichen Gebrauch, wurde sie vor allem zur Belustigung, um Seifenblasen zu machen, verwendet)
  • Der Farbstoff „Preußisch Blau“
  • Knöpfe (besonders beliebt unter Japanern waren diejenigen, die das V.O.C. Emblem trugen)

Die Verbreitung des Federball- und Billiardspiels in Japan nahm, ebenso wie das Biertrinken, übrigens von Dejima seinen Ausgang.

Die wichtigsten Exportartikel Japans waren:

  • Edelmetalle, zu Anfang Gold und Silber, später vor allem Kupfer
  • Kampfer
  • Porzellan
  • Lackwaren

Die Entstehung des Hörbuchs – Teil 2

Nach Abschluss der Aufnahmen mit Doris Wolters in Freiburg ging es weiter Richtung Bayern. Das Tonstudio Schloss Seefeld liegt idyllisch eine halbe Autostunde westlich von München am Pilsensee. Johannes Steck betreibt mit seinem Geschäftspartner, dem Tontechniker Tom Klenner, in dem Schloss der Grafen von Toerring ein Tonstudio. Hier steht modernste Technik inmitten historischer Mauern. Steck genießt diese besondere Umgebung und lässt sich von ihr für seine Vortragskunst inspirieren. Die Voraussetzungen für die Aufnahmen mit ihm waren also bestens. Doch zunächst musste einige Vorarbeit geleistet werden: Tom Klenner lud die Audiodateien der Badener auf seinen Rechner. Ein wichtiger Arbeitsschritt, um später sicherzustellen, dass das gesamte Material in Bezug auf Lautstärke und Klang harmoniert.

Nach Ankunft von Regisseurin Corinna Zimber, hieß es dann, «Aufnahme läuft». Auch dieses Mal stand gleich am Anfang eine anspruchsvolle Szene: Eingangs Kapitel 2 wehrt sich Daniel Snitker, der amtierende Faktor von Dejima, lautstark gegen die Korruptionsvorwürfe seines Nachfolgers Unico Vorstenbosch. Sekretär Jacob de Zoet gerät zwischen die Fronten … Johannes Steck erzählt spannend und nuancenreich:

Hörprobe «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet»

Natürlich war dies nur der Auftakt. Es folgten weitere Studiotage mit hochkonzentrierter Arbeit und dem einen oder anderen Kaffee. Danach widmete sich Tom Klenner dem Schnitt und fügte die Sprachaufnahmen aus Freiburg und Seefeld zusammen. Erst an diesem Punkt nahm die Produktion ihre endgültige Form an. Klenner montierte die Dateien mit der Stimme von Doris Wolters in die Lesung von Johannes Steck. Die Vorfreude auf das Ergebnis war bei uns im AUDIOBUCH Verlag groß. Und tatsächlich, das Master-Abhören entpuppte sich als ein besonderes Vergnügen. Seit ein paar Tagen wird das Hörbuch mit 6 CDs an den Buchhandel ausgeliefert: Nun mögen die Kunden selbst urteilen!

Johannes Steck bei der Arbeit

Johannes Steck bei der Arbeit

Tonstudio Schloss Seefeld

Tonstudio Schloss Seefeld

Die Rezensionen

Die ersten Rezensionen zu Mitchells Roman überschlagen sich vor Begeisterung. Wir haben einige Zitate zusammengestellt:

«Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass auch Jacob de Zoet bald zur Kinofigur wird. Ein Regisseur mit dem richtigen Gefühl für Pathos könnte daraus einen Klassiker wie Doktor Schiwago oder Vom Winde verweht entstehen lassen.» Focus Online

«Seine Bücher sind von jenem Zauber, den perfekte Sätze erwecken. Weil in diesem Jahr ein irrwitziger Roman und ein Hundert-Millionen-Dollar-Film herauskommen, wird David Mitchell nun ein Star werden. […] Und in welchem anderen Buch ist ein Schluss wie dieser zu lesen, wie diese letzten zwei Kapitel, die nicht weniger als die Jugend, das Alter, das Leben zu fassen kriegen?» Der Spiegel

«Die tausend Herbste des Jacob de Zoet ist ein garndioser, atemberaubender Bilderbogen von einem Autor auf dem Gipfel seiner Kunst. Wie schon in Der Wolkenatlas, gerade von Hollywood verfilmt, begeistert Mitchell als raffinierter und vor Fantasie überschäumender Erzähler, der alle seine Handlungsfäden straff in der Hand hält und lustvoll verknüpft. […] Daneben schafft er aber auch Figuren, die so verführen und berühren und eine so bedrängende Spannung, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen will. Die tausend Herbste des Jacob de Zoet ist Unterhaltung ­- und  Literatur – auf höchstem Niveau. Und eines der größten Lesevergnügen, das sich diesen Herbst auf dem Buchmarkt finden lässt.» Nürnberger Zeitung

«Dank seinem raffinierten Plot ist es ein rasand spannender Abenteuerroman;  wenn David Mitchell aber beschreibt, wie der Mikrokosmos Dejima funktioniert oder wie menschlicher Schwächen wegen auch die raffiniertesten Pläne fehlschlagen, dann erinnert er durchaus an den James Joyce des UlyssesTages-Anzeiger Zürich 

«Natürlich ist Die tausend Herbste des Jacob de Zoet  ein Ideenroman; er handelt von Furchtbarkeit und Faszination der Religion, er behandelt Glanz und Elend einer sich all für allemal zur Kugel rundenden Welt und das Glück und Unglück derer, die sich mit dieser Kugel drehen und wenden müssen. Viel mehr noch aber ist dieser Roman das Kunststück seiner Selbst: er ist originell, anschaulich, spektakulär und manchmal magisch – Der Name der Rose dreißig Jahre später vielleicht oder Mitchells nächste 100-Millionen-Dollar-Fantasie oder: ein Schmöcker für das komplizierte 21. Jahrhundert.» Die Welt

«Wie Mitchell hier die medizinischen Details beschreibt, wie er die Aussichtslosigkeit der Situation inszeniert und zugleich die Figuren dagegen ankämpfen lässt, sorgt dafür, dass man wie unter Hochdruck in den Roman hineingezogen wird. […] Die tausend Herbste des Jacob de Zoet ist reich an solchen spannungsgeladenen, außerordentlichen Begebenheiten, an derben und an feinen Pointen herrscht kein Mangel, die Figuren erzählen sich Dschungelpossen und grausige Märchen wie das vom singenden Schädel, in dem ein Mordopfer sich postum an seinem Mörder rächt.[…] In seiner Pracht steht Mitchells Roman den Exponaten im Amsterdamer Rijksmuseum in nichts nach. Indem der Autor alle Tricks und Kniffe des Erzählens beherrscht, lässt er den Leser durch die gut 700 Seiten hindurchgleiten wie ein Handelsschiff, das von günstigen Winden über die Weltmeere getrieben wird.» die tageszeitung

«Und noch auf ganz andere Weise rückt der begnadete Erzähler Sprache in den Vordergrund: in den poetischen Beschreibungen, die sich durch Dialoge, Handlungen und Gedanken winden und diese dauernd unterbrechen. Viele dieser Einschübe erinnern in ihrer Verknapptheit an Haikus: «Dampf steigt aus einer Wasserschüssel; das Rasiermesser blitzt im Sonnenlicht.» Als Gegenstück dazu gibt es lange, dichte Listen genauster Beobachtungen: «Möwen und Krähen zanken sich auf dem First des Gartenhauses. Im Garten sind die cremeweissen Rosen und roten Lilien schon am Verblühen. An der Landpforte wird Brot angeliefert. Auf wunderbare Weise gelingt es Mitchell so, uns das verschlossene Japan zu «übersetzen» und es gleichzeitig auf Distanz zu halten, indem er den Erzähler beschreibend von aussen auf die Dinge schauen lässt. Dadurch versetzt er uns in Jacobs Situation auf Dejima: Ganz nah an Japan und doch nicht Teil davon; bis zum Taumel umgeben von dessen Gerüchen und Geräuschen und doch auf Distanz gehalten.» NZZ am Sonntag

Verlosung: Drei signierte Ausgaben zu gewinnen

Am 13.09. war David Mitchell in Hamburg, um auf dem Harbourfront Festival aus «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet» zu lesen.

Wir haben die Chance genutzt und ihn drei Bücher für uns signieren lassen, die wir gerne verlosen würden. Sie haben die Chance eines der drei Bücher zu gewinnen, wenn Sie uns bis zum 19.09. eine E-mail an socialmedia@rowohlt.de mit der Antwort auf folgende Frage schicken:

Wie hieß die fächerförmige Insel vor Nagasaki, auf der ein Großteil des Romans spielt?

"To a winner " - eines der 3 Bücher, die es zu gewinnen gibt

Wir freuen uns auf Ihre Antworten und drücken allen die Daumen!