Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Happy BirthdayHeute vor 44 Jahren wurde David Mitchell in der nordwestenglischen Küstenstadt Southport geboren. Seitdem ist viel passiert im Leben des Autors. Er studierte in Kent, lebte auf Sizilien und zog dann für acht Jahre zu seiner heutigen Frau nach Japan – eine Zeit, die ihn zum Schreiben des Buchs «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet» inspirierte. Sein Roman «Der Wolkenatlas» wurde verfilmt und lief in den vergangenen Monaten in zahlreichen deutschen Kinos. Und auch seine weiteren Werke begeistern eine immer größer werdende Leserschaft.

Wir gratulieren ihm recht herzlich und freuen uns auf neue Bücher in den nächsten Jahren!

Mehr zum Autor finden Sie hier: http://bit.ly/ZBatPt

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Cloud Atlas – Das Buch zum Film

Ein außergewöhnliches Buch, ein außergewöhnlicher Film! David Mitchells Zeiten, Welten und Genres überwölbender Großroman Der Wolkenatlas galt als unverfilmbar. Sechs Geschichten, fünf Jahrhunderte, ein einziges großes Abenteuer – das mag ja noch angehen; aber Mitchell erzählt sie zudem noch in verschiedenen Genres (Tagebuch, Brief, Kriminalroman, Drehbuch, Verhör), Stilen einer postmodern anmutenden Chronologie. Und das soll als Film funktionieren? Das funktioniert – und wie! Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern ist mit CLOUD ATLAS ein Filmkunstwerk gelungen, ein komplexes, bildstarkes Epos voller Dramatik, Action und Romantik.

Nach der Uraufführung in Toronto schwärmte Verena Lueken in der FAZ: «Cloud Atlas ist lustig, spannend, hanebüchen, philosophisch, klamottig, außerweltlich und postapokalyptisch, ein irres Ding von einem Film, der zum Schauen, Hören und auch Lachen einlädt.»

Six in one: ein Weltroman

David Mitchell gelingt mit seinem Roman die Blaupause eines modernen Textkunstwerks. Sechs Geschichten, sechs Textarten, sechs Tonlagen, sechs historische Szenarien – und alles zusammen ergibt eine einzige packende, dichte Erzählung. Six in one! 704 Seiten voller Geschichten, «ein Bravourstück ersten Ranges» (Cees Nooteboom). «Die ganz große Hoffnung für den modernen Roman. So virtuos und kurzweilig schreiben nur wenige.» (‹Stern›)

Den Bauplan seines labyrinthischen und doch streng konstruierten Roman hat der britische Autor in eine Passage über Musik eingeschmuggelt, in die Beschreibung des «Sextetts für einander überschneidende Solostimmen». Hier spricht jedes Instrument in einer «eigenen Sprache aus Tonart, Melodik und Klangfarbe»: eine Abfolge von Soli, die vom jeweils nachfolgenden unterbrochen und dann in umgekehrter Folge vollendet werden.

Um was es in diesem Megaroman geht? Unter anderem um Folgendes: Um das Südsee-Tagebuch eines Kolonialreisenden (um 1850); die Briefe eines in Belgien lebenden verarmten Komponisten, der sich in eine zerstörerische Abhängigkeit begeben hat (Mitte der 1930-er Jahre); eine perfide Intrige der Atomlobby in Gouverneur Reagans Kalifornien (1975); die abenteuerliche Flucht eines Verlegers vor gewalttätigen Honorareintreibern; das Verhörprotokoll eines weiblichen Klons mit menschlichem Bewusstsein, der sich gegen ein totalitäres System erhebt (Korea um 2144); die menschheitsrettende Mission eines Ziegenhirten in einer in postapokalyptischen, noch weit entfernten Zukunft, einer Zukunft ohne Literatur und Schrift (um 2345).

Zufall und Schicksal

Wer suchet, der findet in Mitchells Roman: Anklänge an Melville und Calvino zum Beispiel, an Gaddis, Pynchon, DeLillo und Gibson, Aber die Art und Weise der Schichtung und Verdichtung dieser Geschichten ist einzigartig. Wie er das disparate Material zu einer einzigen mitreißenden Geschichte zusammenfügt, das ist hohe Kunst. «Mitchells Wolkenatlas als grandiosen Roman zu bezeichnen, wäre untertrieben.» (Deutschlandradio)

Bereits in seinem Roman Chaos brillierte Mitchell mit einer Komposition aus neun Erzählstimmen: eine überzeugende Umsetzung der chaostheoretischen Maxime, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite des Globus einen Wirbelsturm auszulösen vermag. Sollte Mitchell in seinen Romanen einem poetischen Prinzip folgen, dann könnte es dieses sein: «Innerhalb des Lebens ist es der Zufall. Wenn man es aber von außen betrachtet du wie ein Buch liest, ist es von Anfang bis Ende Schicksal.»

Nun gibt es zwei neue Bücher:

Die Filmausgabe von „Der Wolkenatlas“

Das Buch zum Film „Cloud Atlas“

David Mitchell für den Lovelybooks Leserpreis nominiert!

Liebe Leser der großartigen Bücher von David Mitchell,

derzeit ist „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ für den Lovelybooks Leserpreis nominiert – und zwar gleich in zwei Kategorien!

Sie können das Buch als „Besten Historischen Roman“ wählen und ihm eine Stimme für „Das Beste Buchcover“ geben. Noch bis heute Abend ist die Abstimmung offen:

http://www.lovelybooks.de/leserpreis/2012/

Wir wünschen unserem Autor viel Erfolg!

Gewinner der Kinokarten für «Cloud Atlas»

Vielen Dank für die zahlreichen Einsendungen!

Die richtige Antwort auf unsere Frage war natürlich:
die Regisseure Tom Tykwer, Lana & Andy Wachowski

Und das sind die 5 glücklichen Gewinner:

S. Schubert, B. Uhlenbrock, H. Glied, F.Göltenbodt und J. Laaß

Die Karten gehen Ihnen in den nächsten Tagen zu.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß im Kino!

10 Kinokarten für "Cloud Atlas"

«Cloud Atlas» – der Film

Am 15. November kommt die Verfilmung von David Mitchells Roman «Der Wolkenatlas» in die Kinos. Die Kino-Visionäre Tom Tykwer («Lola rennt», «Das Parfum») und Lana und Andy Wachowski («Matrix») konnten hierfür nicht nur Hollywood-Stars wie Tom Hanks, Halle Barry und Hugh Grant gewinnen, sondern auch den Autor selbst. David Mitchell hat einen Cameo im Film – zu sehen auch im Trailer. Finden Sie ihn?

CLOUD ATLAS Trailer 2 HD (German | Deutsch) from X Verleih on Vimeo.

David Mitchell auf dem Harbour Front Literaturfestival in Hamburg

David Mitchell kam am 13. September nach Hamburg, um auf dem Harbour Front Festival aus seinem neuen Buch «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet» zu lesen. Wir waren natürlich auch da und haben es uns nicht nehmen lassen, dem sympathischen Engländer vor seiner Lesung ein paar Fragen zu stellen – und ihn drei Bücher signieren zu lassen, die wir hier verlost haben. Die Akustik des Videos lässt qualitativ leider  zu wünschen übrig, weshalb wir das Interview transkribiert und übersetzt haben.

Lesen Sie unten wie David Mitchell zu der Verfilmung seines Romans «Wolkenatlas» steht und wie es sich anfühlte, nicht nur als Autor der Buchvorlage, sondern auch als Schauspieler am Film mit zu wirken.

Rowohlt: Herr Mitchell, der Film von Lana Wachowski, Tom Tykwer und Larry Wachowski basiert auf Ihrem Buch «Wolkenatlas». Wie war es, am Skript des Films mitzuwirken und selbst als Schauspieler vor der Kamera zu stehen?

Mitchell: Der Film ist wunderbar geworden, ich bin wirklich glücklich darüber. Es ist wirklich eine wunderbare Sache. Einige Dinge im Film unterscheiden sich natürlich vom Buch, aber wir haben versucht, das immer auf eine logische Art und Weise geschehen zu lassen. Mich selbst in dem Film zu sehen, ist wie ein Traum, etwas seltsam, aber auch cool. Davon kann ich dann später meinen Enkelkindern erzählen: «Guckt mal, das bin ich.» (lacht)

Rowohlt: Da gab es doch diese Sache mit dem Telefon. In einem Artikel im aktuellen New Yorker zu der Verfilmung von «Wolkenatlas» ist von einem Telefon die Rede, das Sie in Ihrem Buch sehr detailliert beschreiben, das sich aber leider so in der «realen Welt» nur schwer umsetzen ließ.

Mitchell: Ja, richtig … Wenn ich schreibe, kümmere ich mich nicht großartig um die Realität. Ich kann einfach aus meinen Eindrücken und Gedanken heraus etwas beschreiben. Das ist wirklich toll. Ich muss nicht darauf achten, ob es tatsächlich in der Realität funktionieren würde. Aber beim Film kann man nicht einfach nur von der Vorstellungskraft leben, deswegen mussten wir einen Weg finden, von mir im Buch erschaffene Gegenstände filmtauglich zu machen. Dieses futuristische Telefon ist ein gutes Beispiel.

Rowohlt: Sie leben in einem kleinen Dorf in Irland – helfen Ihnen die Isolation und die Einsamkeit beim Schreiben?

Mitchell: Ich glaube, ich kann in jeder Umgebung ein Buch schreiben, hauptsache ich befinde mich nicht direkt mitten in einem Nachtclub. Aber etwas einsamer zu leben hilft mir schon. Ich bin ein Landjunge. Ich liebe es, die Haustür zu öffnen und einfach einen schönen Spaziergang zu machen, ohne vorher mit dem Auto in die Natur rausfahren zu müssen. Das beruhigt und entspannt mich.

Rowohlt: Was hoffen Sie, nehmen die Leser aus «Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“»mit?

Mitchell: Ich wünsche mir, dass sie einfach eine gute Zeit haben. Es ist ein sehr langes Buch mit einer Menge Inhalt und sehr komplexen Charakteren. Ich wollte einfach eine andere Welt erschaffen, in die man von Zeit zu Zeit hineinschlüpfen kann. Ich hoffe meine Leser können diese andere Welt genießen und manchmal so darin versinken, dass sie die wahre Welt für einen Augenblick vergessen. Das wäre großartig.

Rowohlt: Ihr Buch beinhaltet sehr viele wunderschöne Sätze, an die man sich lange, nachdem man das Buch gelesen hat, erinnert. Erinnern Sie sich an einzelne Sätze aus Büchern anderer Autoren, die sie so schön fanden, dass sie Sie noch Jahre später nicht verlassen haben?

Mitchell: Ich erinnere mich nicht so sehr an bestimmte Sätze, mir bleiben eher ganz besondere Einzelheiten in Erinnerung. Dinge, die auch im wahren Leben passieren und die ich selber kenne und erlebt habe – und die mich deshalb an die Passage immer wieder erinnern. In einem Buch zum Beispiel bereitet eine Mutter das Abendessen vor und als sie dann ganz laut «Essen ist fertig!» ruft und auch nach fünfzehn Minuten noch keiner der Familie am Tisch ist, wird sie wirklich böse. Und so ist es bei uns zu Hause manchmal auch. (lacht) An solche kleinen Beobachtungen des Lebens erinnere ich immer gut, denn die geschehen auch mir in der Wirklichkeit.

Rowohlt: Lieber Herr Mitchell, vielen Dank für dieses Interview.

Ein Interview mit David Mitchell

Sie haben viele Jahre in Japan gelebt. Was hat Sie an Japan und an der Epoche, die Sie beschreiben, besonders gereizt?

Es ist eine einzigartige historische Situation. Hier trift eine säkulare Welt, die der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und Aufklärung, auf eine traditionalistische, rückwärtsgewandte und destabilisiert sie, obwohl mit allen Mitteln verhindert werden soll, dass sie das tut. Und das entscheidende Mittel ist dieser Ort, Dejima, die künstliche Insel im Hafen von Nagasaki, die als Sitz des holländischen Handelspostens ausersehen wurde. Ein seltsamer, isolierter Ort der Begegnung, von dessen Existenz kaum jemand wusste. Den wollte ich unbedingt in einem Buch verewigen. Auch die Menschen, die ihn bewohnten. Wie nahmen die Holländer und die Japaner einander wahr? Wie muss es sich angefühlt haben, dort eingeschlossen zu sein, besonders in den Zeiten der napoleonischen Kriege, als plötzlich die Versorgungsschiffe aus Batavia (dem heutigen Jakarta) ausblieben, und nicht zu wissen, warum und für wie lange? Und andererseits auf japanischer Seite: Was war das für ein Schlüsselloch, durch das die Japaner blicken konnten, um sich über die internationalen Entwicklungen, über den Aufstieg Europas und seiner neuen Technologien zu informieren! Denn auf diesem winzigen Inselchen  waren es ja die Weißen, die beobachtet und analysiert wurden, dort waren sie, nicht die Japaner, die Exoten.

Deshalb gibt es auch so viele sprachliche und kulturelle Hürden in diesem Roman.

Kulturelle Heimatlosigkeit ist eines meiner wiederkehrenden Themen. Ein weiteres sind Missverständnisse. Ich habe früher gestammelt. Da kann man nicht sagen, was man will. Ähnlich geht es manchen Menschen in diesem Buch – gerade dann, wenn es am dringendsten nötig wäre. In frühen Fassungen habe ich immer versucht, mich um die Sprachbarrieren herumzumogeln. Bis ich erkannte, dass ich sie mir für den Roman zunutze machen könnte, indem ich meine Figuren einfach ins Gefängnis ihrer Sprache steckte und ihnen dort beim Zappeln zusah. Das entpuppte sich als spannend.

Was die Lektüre zudem so unwiderstehlich macht, ist Ihr großes Interesse an der Conditio humana. Einfach alles an den Menschen scheint Sie zu faszinieren.

Wenn die Figuren nicht funktionieren, kann man alles wegwerfen. Es sind die gelungenen Charaktere, die einen in die Erzählung hineinziehen, die einen vergessen lassen, dass man überhaupt liest, die einen die ganze Nacht wachhalten, bis man endlich mit der Lektüre fertig ist. Am Ende sind die Menschen in ihrer Vielfalt, in ihrer ganzen Schönheit und Hässlichkeit, das, was einen guten Roman ausmacht.

Ein anderes Thema des Buches ist die gesellschaftliche Realität, die Ausbeutung, die Ungleichheit, die Art und Weise, wie Leute ihrer sozialen Herkunft verhaftet bleiben, weil ihnen Macht und ökonomische Mittel zu ihrer Befreiung fehlen.

Richtig. Die Machtfrage ist universell. Und Sprache ist Macht. Deshalb sind in Dejima die Übersetzer so einflussreich. Aber das Machtthema ist auch eine der Grundlagen jedes Erzählens. Schon Aristoteles sagte, in jeder Erzählung brauche man zwei Menschen, die etwas Unter-schiedliches wollen.

Ihr armer Held Jacob de Zoet ist eine ehrliche Haut und will ehrlich bleiben. Er hat es aber schwer, mit all der Korruption und Hinterlist zurechtzukommen, sowohl auf der japanischen wie auf der niederländischen Seite. Ging es dort wirklich so wild zu, wie Sie es beschreiben?

O ja, das ist nicht übertrieben. Das ist auch ein universelles Thema, das mich interessiert: Was tut ein ehrlicher Mensch in einer Schlangengrube? Dies ist ein Buch über Macht und Integrität, genauso wie es von Liebe und Tod handelt. Und was die Historie betrifft, so stand die Ostindien-Kompanie 1799 tatsächlich vor der Pleite, weil jeder, aber auch wirklich jeder sich heimlich ein Stück vom Kuchen nahm.

Jacob verliebt sich bald in eine japanische Hebamme, die sich beim holländischen Arzt der Kolonie ausbilden lässt. Konnten Frauen zu dieser Zeit in Japan Medizin studieren?

Wahrscheinlich nicht. Aber eben dieses Wörtchen «wahrscheinlich» öffnet dem Romancier die Tür weit genug, dass er hindurchschlüpfen kann. Außerdem hat mich meine – japanische – Frau gewarnt, dass mir Schlimmes blühen würde, wenn ich es wagte, eine dieser schönen, aber geistig unterbelichteten Geishas auftreten zu lassen, die beim Anblick der ersten blonden Rotnase vor Verzückung zu Boden sinken.

Ihr Roman ist international sehr erfolgreich. Haben Sie damit gerechnet, dass ihn so viele gern lesen?

Dass ihn so viele lesen, ist schön, und es ermahnt mich einmal mehr, den Leser niemals zu unterschätzen. Aber wenn man etwas schreibt, denkt man wenig daran, wie es wohl aufgenommen wird. Diesen Luxus kann man sich gar nicht leisten. Man denkt nur daran, wie man das Buch am besten hinbekommt, und da reduziert sich alles auf einen einzigen Leser – mich selbst, und vielleicht noch meine Frau. Wenn man es dann so destilliert hat und es gefällt einem, funktioniert es hoffentlich auch für andere.