Cloud Atlas – Das Buch zum Film

Ein außergewöhnliches Buch, ein außergewöhnlicher Film! David Mitchells Zeiten, Welten und Genres überwölbender Großroman Der Wolkenatlas galt als unverfilmbar. Sechs Geschichten, fünf Jahrhunderte, ein einziges großes Abenteuer – das mag ja noch angehen; aber Mitchell erzählt sie zudem noch in verschiedenen Genres (Tagebuch, Brief, Kriminalroman, Drehbuch, Verhör), Stilen einer postmodern anmutenden Chronologie. Und das soll als Film funktionieren? Das funktioniert – und wie! Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern ist mit CLOUD ATLAS ein Filmkunstwerk gelungen, ein komplexes, bildstarkes Epos voller Dramatik, Action und Romantik.

Nach der Uraufführung in Toronto schwärmte Verena Lueken in der FAZ: «Cloud Atlas ist lustig, spannend, hanebüchen, philosophisch, klamottig, außerweltlich und postapokalyptisch, ein irres Ding von einem Film, der zum Schauen, Hören und auch Lachen einlädt.»

Six in one: ein Weltroman

David Mitchell gelingt mit seinem Roman die Blaupause eines modernen Textkunstwerks. Sechs Geschichten, sechs Textarten, sechs Tonlagen, sechs historische Szenarien – und alles zusammen ergibt eine einzige packende, dichte Erzählung. Six in one! 704 Seiten voller Geschichten, «ein Bravourstück ersten Ranges» (Cees Nooteboom). «Die ganz große Hoffnung für den modernen Roman. So virtuos und kurzweilig schreiben nur wenige.» (‹Stern›)

Den Bauplan seines labyrinthischen und doch streng konstruierten Roman hat der britische Autor in eine Passage über Musik eingeschmuggelt, in die Beschreibung des «Sextetts für einander überschneidende Solostimmen». Hier spricht jedes Instrument in einer «eigenen Sprache aus Tonart, Melodik und Klangfarbe»: eine Abfolge von Soli, die vom jeweils nachfolgenden unterbrochen und dann in umgekehrter Folge vollendet werden.

Um was es in diesem Megaroman geht? Unter anderem um Folgendes: Um das Südsee-Tagebuch eines Kolonialreisenden (um 1850); die Briefe eines in Belgien lebenden verarmten Komponisten, der sich in eine zerstörerische Abhängigkeit begeben hat (Mitte der 1930-er Jahre); eine perfide Intrige der Atomlobby in Gouverneur Reagans Kalifornien (1975); die abenteuerliche Flucht eines Verlegers vor gewalttätigen Honorareintreibern; das Verhörprotokoll eines weiblichen Klons mit menschlichem Bewusstsein, der sich gegen ein totalitäres System erhebt (Korea um 2144); die menschheitsrettende Mission eines Ziegenhirten in einer in postapokalyptischen, noch weit entfernten Zukunft, einer Zukunft ohne Literatur und Schrift (um 2345).

Zufall und Schicksal

Wer suchet, der findet in Mitchells Roman: Anklänge an Melville und Calvino zum Beispiel, an Gaddis, Pynchon, DeLillo und Gibson, Aber die Art und Weise der Schichtung und Verdichtung dieser Geschichten ist einzigartig. Wie er das disparate Material zu einer einzigen mitreißenden Geschichte zusammenfügt, das ist hohe Kunst. «Mitchells Wolkenatlas als grandiosen Roman zu bezeichnen, wäre untertrieben.» (Deutschlandradio)

Bereits in seinem Roman Chaos brillierte Mitchell mit einer Komposition aus neun Erzählstimmen: eine überzeugende Umsetzung der chaostheoretischen Maxime, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite des Globus einen Wirbelsturm auszulösen vermag. Sollte Mitchell in seinen Romanen einem poetischen Prinzip folgen, dann könnte es dieses sein: «Innerhalb des Lebens ist es der Zufall. Wenn man es aber von außen betrachtet du wie ein Buch liest, ist es von Anfang bis Ende Schicksal.»

Nun gibt es zwei neue Bücher:

Die Filmausgabe von „Der Wolkenatlas“

Das Buch zum Film „Cloud Atlas“

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