Das Christentum in Japan

«Mordelement!» erwiderte jener, «ich bin Matrose und in Batavia geboren. Auf vier Reisen nach Japan hab‘ ich viermal unsern Herrn Christus am Kreuze mit Füßen getreten: Du kommst just an den rechten Mann mit Deiner allgemeinen Vernunft!»

                                                                       Voltaire, Candide ou l’optimisme (1799)

In «Die Tausend Herbste des Jacob de Zout» wird Jacob bei der Einreise nach «christlichen Artefakten» durchsucht und fürchtet, dass sein Psalter entdeckt werden könnte. Tatsächlich war der Hauptgrund für die jahrhundertelange, selbstbestimmte Isolation Japans, die Abschottung der Bevölkerung von westlichem, vor allem christlichem Einfluss. Das «mit Füßen treten Christi» des nichtswürdigen Matrosen aus Voltaires Candide war allerdings nicht für den einreisenden Ausländer, sondern für Japaner obligatorisch.

In Mitchells Roman wird die Zeremonie des Fumie im zwanzigsten Kapitel beschrieben. Dieses Ritual wurde 1629 eingeführt und erst 1858 wieder abgeschafft. Die Geschichte des Christentums in Japan  begann 1547 mit der Ankunft des, später heilig gesprochenen, jesuitischen Missionars Francisco de Xavier. 1569 wurde die erste christliche Kirche Japans in Nagasaki errichtet. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 20.000 bis 30.000 Christen in Japan. 1613 war ihre Zahl auf etwa 220.000 angestiegen. Ein Jahr später wurde das Christentum in Japan verboten und sämtliche Missionare des Landes verwiesen. In der Folge kam es zu blutigen Verfolgungen bei denen etwa 30.000 japanische Christen ihr Leben lassen mussten. Seitdem existierte das Christentum nur im Untergrund und wurde im Geheimen von Generation zu Generation weitergegeben, so wie es von Mitchells Kräutersammlerin Otane im 14. Kapitel berichtet wird. Auf den Nagasaki vorgelagerten Goto-Inseln versteckten sich heimliche Christen jahrzehntelang. Erst 1873 endete die Verfolgung japanischer Christen.

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